Wissenschaftliche Zeitschrift

Ars Inter Culturas

Titel: Ars Inter Culturas – Ästhetik – Bildung – Multikulturalität

Herausgeber: Akademia Pomorska w Słupsku

Jahresbuch

Inhaltliches Konzept

 

Die Einsicht, dass die Künstlerische Erziehung für die Interkulturelle Pädagogik einen wichtigen Beitrag leisten könne und dass deshalb auch die Zusammenarbeit beider Bereiche intensiviert werden sollte, ist in den letzten Jahren erheblich gewachsen. Dabei geht es um die zentrale Frage, wie die Pädagogik auf die kulturelle Globalisierung als Folge der ökonomischen reagieren soll und muss. Auf engstem Raum leben heute – vor allem in dem USA und Europa – sehr unterschiedliche Kulturen nebeneinander. Dies führt zu Spannungen und Irritationen. Viele Menschen wollen zu Recht die Identität ihrer Herkunft nicht aufgeben, wissen aber auch, dass sie sich für Leben, Sitten und Glauben ihrer neuen Heimat öffnen müssen, weil es um ihre Nachbarn geht.

 

Die Einsicht wächst, dass mehr oder weniger streng für sich lebende Ghettos keine Lösung darstellen. Andererseits wäre ein verwaschenes Mixtum von Haltung und Lebensführung auf Dauer nicht lebensfähig. Die Frage lautet daher: Wie können Menschen Identitäten gestalten, die einerseits ihrer Herkunft bewusst bleiben und andererseits nicht verleugnen können, dass sie Bestandteil einer neuen Kultur geworden sind.

 

Es ist offensichtlich, dass die künstlerische Erziehung im weitesten Sinn des Begriffes einen wichtigen Beitrag zur Lösung dieser Frage leisten kann. Sie ist - weit mehr als viele andere Bereiche des Lebens – auf Dialogizität angewiesen. Kunst als besonderes Medium dieser Dialogizität bietet ein Feld, die Gesprächsbereitschaft und – fähigkeit zu üben und zu erlernen. Dabei geht es in der Künstlerischen Erziehung darum, die eigene Wahrnehmung des „Schönen” zu öffnen für die des Anderen. Dies bietet zugleich eine besondere Chance „des anderen Fremden” und seine Lebens – und Weltanschauung besser kennen zu lernen. Denn in Klang, Bild, Tanz und Dichtung ist sie metaphorisch verborgen und will entdeckt werden.

 

Voraussetzung dafür ist jedoch, dass man die symbolischen Bedeutungen in den Künsten zu erkennen und zu deuten vermag. Je grösser die Distanz zwischen den Kulturen ist, desto schwieriger wird diese Aufgabe. Jeder ist von der nur für sich selbst spezifischen Enkulturation geprägt und bekennt sich – mehr oder weniger bewusst – zu einem Werte – und Normensystem, das er als unersätzlich hält, weil es auch das Bewusstsein des Gemeinwesens trägt, in dem er lebt.

 

Das gegenwärtige Verständnis des Begriffs der Multikulturalität muss diese Bedingungen und Aspekte bedenken. Dabei ist der Hinweis wichtig, dass gerade die europäische Kultur immer für fremde Einflüsse offen gewesen ist. Sie haben unsere Kultur bereichert, ohne sie zu verfremden. Wenn also der interkulturelle Dialog gelingen soll, dann muss darauf geachtet werden, dass die Übernahmen fremder Einflüsse nicht trennend, sondern verbindend wirkt.

 

So öffnet die Interkulturelle Erziehung als Künstlerische Erziehung neue Möglichkeiten des Dialogs und der Begegnung und im günstigen Fall führt sie zu einer Bereicherung der jeweils eigenen Identität.

 

Die von uns geplante Zeitschrift will ein internationales Forum in der Auseinandersetzung über diese lebenswichtigen Fragen bieten. Im wissenschaftlichen Beirat wirken Vertreter unterschiedlicher Fachbereiche wie Musikpädagogik, Ästhetik, Erziehungswissenschaft, Sozialwissenschaft und Philosophie mit. Dieses fachübergreifende Konzept garantiert ein breites Diskussionsfeld und kompetente Anregungen und Antworten.

 

Die Beiträge (Essays, Untersuchungen, Forschungsberichte, Rezensionen) könnten vornehmlich der folgenden Thematik dienen:

 

  1. Kunst und Künstlerische Erziehung als Kontext Interkultureller Erziehung, künstlerische Phänomene anderer Kulturen, ihre Erfahrung und Verstehen,
  2. Kunst im interkulturellen Dialog, zwischen Demonstration der eigenen ästhetischen Werten und Lernen der künstlerischen Fremdheit,
  3. Kunst und Künstlerische Erziehung im Kontext vom politischen Wandel (1989)
  4. Interkultureller Dialog als Möglichkeit der Reduktion von internationalen und interethnischen Vorurteilen,
  5. Interkultureller Dialog als Grundlage für Konstruierung der Programme von interkultureller, künstlerischer Erziehung und als Raum der Forschung von Paradigmen des Wissens,
  6. Dialog regionaler Kulturen als Chance der Überwindung der Uniformierung künstlerischer Vorbilde und Reduktion der ästhetischen Werten,
  7. Hohe Kunst und Assimilation anderer Kulturen. Die Kunst anderer Kulturen als hohe Kunst.
  8. Künstlerische Erziehung und die Fragen nach Inhalten und Zielen des interkulturellen Lernens und seiner ästhetischen Bezüge,
  9. als Möglichkeit des Lernens vom Dialog und Treffen,
  10. als Unterstützung der Offenheit auf Vielfalt und Differenz und Möglichkeit der Erfahrung des Fremdes
  11. als Konstruierung der Identität (auch der ästhetischen) des Europäers im Bezug auf intergenerationelle Transmission von kulturellem Erbe,
  12. im Kontext der regionalen Erziehung, interregionalen, kultureller und interkultureller Pädagogik,
  13. Interkulturalität als Medium der politischen Erziehung.
  14. als Kontext für Verstehen der ästhetischen Phänomenen und erzieherischen Prozessen,
  15. als Bereich der Kontinuität der Tradition, aber auch der neuen ästhetischen Qualitäten